Manchmal gewinnt man und manchmal lernt man

Vor kurzem war ich im Kino und dieses Zitat eines Taxifahrers blieb mir aus dem Film („Best Exotic Marigold Hotel 2″) hängen. Es ist eine schöne kleine Provokation, behauptet es doch indirekt, man würde gerade dann oder vielleicht sogar nur dann lernen, wenn man nicht auf der Gewinner-Seite steht. Es ist aber, finde ich, vor allem eine wunderbare Ermutigung, sich frei zu machen

  • von den Ansprüchen an sich selbst, perfekt zu sein und immer alles richtig zu machen,
  • vom Anspruch an das Leben, dass es doch bitte leicht sei und gelingen möge,
  • von der Angst, Fehler zu machen oder gar zu scheitern.

Ich glaube, Kinder können uns dabei ein großes Vorbild sein. Vor allem ihre ersten Lebensjahre sind ein immer währendes Tun und Wiederholen von Dingen, die ihnen zunächst nicht gelingen – weder beim ersten, noch beim zweiten, noch beim dritten, sondern manchmal erst beim 20. Mal. Denken Sie nur ans Laufen-Lernen: 2 wacklige Schritte – Hinfallen – Aufstehen – Weitergehen – Hinfallen – Aufstehen – Weitergehen… „Lernen durch Scheitern wie durch Erfolge“ nennt das der dänische Familientherapeut Jesper Juul.
In diesem Sinne verstanden, gewinnt man doch eigentlich immer.

Entscheidungen

Ein Mann, der erst 34 Jahre alt war, wurde zum Direktor einer grossen Bank ernannt. Er hatte nie daran gedacht, so schnell Karrière zu machen, und schon gar nicht wäre es ihm in den Sinn gekommen mit 34 Jahren Direktor einer grossen Bank zu sein.
Eines Tages bot sich die Möglichkeit zu einem Gespräch mit dem Vorsitzenden der Kommissare – es war gerade jener Mann, der den Vorschlag gemacht hatte, ihn zum Direktor zu ernennen.
„ Grosse Verantwortung wurde auf meine Schultern gelegt,“ sagte der junge Direktor, „ und grosse Aufgaben warten mich; ich werde mich mit allen Kräften bemühen, diese Aufgaben zu erfüllen. Ich wäre Ihnen jedoch sehr dankbar, würden Sie mir ein paar gute Tips mit auf den Weg geben.“
Der alte Mann betrachtete den jungen Direktor andächtig, und nach einem Moment der Stille sagte er: „Richtige Entscheidungen.“
Der junge Mann hatte eigentlich etwas mehr erwartet, darum sagte er: „ Das ist sehr hilfreich, und ich weiss Ihren Rat zu schätzen. Aber könnten Sie mir vielleicht ein paar deutliche Anweisungen geben? Ich brauche Ihre Hilfe, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können“. Der Vorsitzende, ein Mann, der wenig Worte gebrauchte, sagte nur:„ Erfahrung“.
„ Sehen Sie,“ erwiderte der junge Mann, „ darum geht es gerade. Ich frage Sie um Ihren Rat, da ich überzeugt bin, dass ich noch nicht genügend Erfahrung besitze. Wie sammelt man Erfahrung?“
Der alte Mann lächelte und antwortete mit nur drei Worten:„Durch verkehrte Entscheidungen.“

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