Die Grenzen im Kopf

Kennen Sie das „Neun-Punkte-Problem“? Dabei geht es darum, 9 zum Quadrat angeordnete Punkte – wie in der Grafik – durch 4 oder weniger Striche mieineinander zu verbinden, ohne den Stift abzusetzten. Sie können es ja mal probieren: Bildergebnis für 9 punkte problemNa, Lösung selbst gefunden oder doch bei Wikipedia nachgeschaut? 😉

Als ich diese Übung kennenlernte, war ich fasziniert von der Erkenntnis: Sehr oft im Leben finden wir eine Lösung für ein Problem deshalb nicht, weil wir uns selber im Denken Grenzen setzen oder Beschränkungen annehmen, die gar nicht vorhanden sind.
Bezogen auf die 9 Punkte ist es ja so: Ohne dass dies als Regel aufgestellt wurde, gehen die meisten Menschen davon aus, dass die zu zeichnenden Linien innerhalb des Quadrates sein müssen. Aber erst wenn sie über das Quadrat hinaus denken, den sich selbst gesetzten Rahmen also verlassen, kommen sie zu einer Lösung.
Im Deutschen gibt es dafür die Redewendung „über den Tellerrand hinausschauen“ – eine wichtige Haltung und Herangehensweise, wenn es um Problemlösung geht.
Als Supervisorin rege ich deshalb genau dazu immer wieder an. Durch Fragen und andere Methoden versuche ich, den Blickwinkel auf ein Problem, eine Situation zu erweitern oder es mal aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten. Dabei ist von Vorteil, dass ich als Externe nicht Teil des Systems bin und somit in meinem Denken weniger Einschränkungen beim Betrachten einer bestimmten Fragestellung unterliege.

Beobachten Sie doch mal, wie oft im Leben Sie sich von bestimmten Vorannahmen leiten und evt. auch einschränken lassen (z.B. „Ich darf nicht außerhalb des Quadrates zeichnen.“), ohne überprüft zu haben, ob diese tatsächlich so stimmen. Und erleben Sie, wieviele Möglichkeiten in dem Raum außerhalb der Grenzen schlummern und wieviel Spaß es machen kann, diese zu entdecken.
Vielleicht inspiriert Sie dabei der folgende Text.

 

How to be an artist

Lass Dich fallen.
Lerne Schnecken zu beobachten.
Pflanze unmögliche Gärten.
Lade jemand Gefährlichen zum Tee ein.
Mache kleine Zeichen, die „ja“ sagen und verteile sie überall in Deinem Haus.

Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.
Freue Dich auf Träume.
Weine bei Kinofilmen,
schaukle so hoch Du kannst mit einer Schaukel bei Mondlicht.

Pflege verschiedene Stimmungen,
verweigere Dich, „verantwortlich zu sein“ – tu es aus Liebe!
Mache eine Menge Nickerchen.
Gib Geld weiter. Mach es jetzt. Das Geld wird folgen.
Glaube an Zauberei, lache eine Menge.

Bade im Mondschein.
Träume wilde, phantasievolle Träume.
Zeichne auf die Wände.
Lies jeden Tag.

Stell Dir vor, Du könntest zaubern.
Kichere mit Kindern. Höre alten Leuten zu.
Öffne Dich. Tauche ein. Sei frei. Preise Dich selbst.
Lass die Angst fallen, spiele mit allem.

Unterhalte das Kind in Dir. Du bist unschuldig.
Baue eine Burg aus Decken. Werde nass. Umarme Bäume.
Schreibe Liebesbriefe.

(SARK, Amerikanische Künstlerin. Quelle: http://planetsark.com/sark-posters/

 

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