Das Unmögliche versuchen

Nun ist er da, der Frühling. Die Sonne kitzelt uns an der Nase, die Tage sind wieder länger und wärmer und an allen Ecken grünt und sprießt es. Auf viele Menschen wirkt das sehr ansteckend und inspirierend. Gerade so, als würde der Neuanfang in der Natur ganz direkt für ein Gefühl von „Auf zu neuen Ufern“ sorgen. Vieles ist plötzlich denkbar und vorstellbar. Neue Aussichten tun sich auf, die wir vorher nicht mal ahnten.

Wer von solcher Aufbruch-Stimmung heimgesucht wird, sollte sie nutzen, denn viel zu oft sehen wir vor allem, was nicht geht; beginnen wir Vorhaben erst gar nicht, weil wir sie für unrealistisch halten; wagen wir nicht, groß und über unsere eigenen Grenzen hinaus zu denken.
Dabei bleiben wir oft hinter unseren tatsächlichen Möglichkeiten zurück, denn in der Regel erfahren wir nicht beim bloßen Drüber-Nachdenken, ob etwas machbar ist, sondern nur, wenn wir es ausprobieren.

Mein Mann ist jemand, der in dieser Hinsicht sehr mutig ist. Er hat – immer wieder – neue Visionen, entwickelt große Ideen, über die ich manchmal den Kopf schüttele. Oft genug bekommt er von mir ein „Immer musst Du so übertreiben“ zu hören. Aber im Grunde sehe ich dies auch als große Ressource. Gerade ist er dabei, ein Café zu eröffnen – 200 Quadratmeter Fläche und eine entsprechend hohe Miete. Für mich wäre ein solches Projekt eindeutig „eine Nummer zu groß“. Für ihn macht dieses „Groß-Denken“ und dabei vielleicht sogar ein bisschen Übertreiben gerade den Reiz aus.

Natürlich birgt ein solche Herangehensweise immer das Risiko des Scheiterns. Aber es bietet auch die Chance,

über sich selbst hinauszuwachsen,

die eigenen Grenzen – von denen ja die meisten vor allem in unserem Kopf existieren – zu erweitern,

die Erfahrung zu machen, was alles doch geht.

Von Hermann Hesse stammt der Satz: „Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen“. Dieser bringt es für mich auf den Punkt: Wenn wir uns in den Raum unserer (scheinbaren) Unmöglichkeiten wagen, können daraus Möglichkeiten werden.

Neben einer gesunden Portion Mut und Abenteuerlust sind bei dieser Entdeckungsreise gute Freunde hilfreich, die an uns glauben und uns in unserem Vorhaben bestärken und unterstützen. Wie bei meinem Mann, der in den letzten Wochen nicht nur täglich zu hören bekommt, was das für eine tolle Sache ist, die er da vorhat und dass es bestimmt großartig wird, sondern auch schon mit dem einen oder anderen fleißigen Helfer beim Tapete-Abreißen oder Malern beschenkt wurde.

Vor ewig pessimistischen „Unkenrufern“ sollte man allerdings die Ohren verschließen – oder sich zumindest nicht beirren lassen.

 

Die Fabel von den Fröschen

Eines Tages entschieden die Frösche, einen Wettlauf zu veranstalten. Um es besonders schwierig zu machen, legten sie als Ziel fest, auf den höchsten Punkt eines großen Turms zu gelangen.
Am Tag des Wettlaufs versammelten sich viele andere Frösche, um zuzusehen.
Dann endlich – der Wettlauf begann.

Nun war es so, dass keiner der zuschauenden Frösche wirklich glaubte, dass auch nur ein einziger der teilnehmenden Frösche tatsächlich das Ziel erreichen könne. Statt die Läufer anzufeuern, riefen sie also “Oje, die Armen! Sie werden es nie schaffen!” oder “Das ist einfach unmöglich!” oder “Das schafft Ihr nie!” Tatsächlich schien es, als sollte das Publikum recht behalten, denn nach und nach gaben immer mehr Frösche auf. Das Publikum schrie weiter: “Oje, die Armen! Sie werden es nie schaffen!” Und wirklich gaben bald alle Frösche auf – alle, bis auf einen einzigen, der unverdrossen an dem steilen Turm hinaufkletterte – und als einziger das Ziel erreichte.
Die Zuschauerfrösche waren vollkommen verdattert und alle wollten von ihm wissen, wie das möglich war.Einer der anderen Teilnehmerfrösche näherte sich ihm, um zu fragen, wie er es geschafft hätte, den Wettlauf zu gewinnen. Und da merkten sie erst, dass dieser Frosch taub war!

(Quelle: Zeitzuleben.de)

Categories: Allgemein, Therapeutische Geschichten